In Zusammenarbeit mit den Grätzlgesprächen fanden bisher auch 2 Gesprächsgruppen im thematischen Umfeld des Dialogprozesses statt. Im folgenden die Protokolle.
Traumkirche - Kirchentraum | Gesprächsgruppe zur Fragebogen-Aktion
Diese Gesprächsgruppe, zu der sich 7 Personen aus der Gemeinde im Heim einer jungen Familie einfanden, stand unter dem Thema "Traumkirche - Kirchentraum". Im ersten Teil wurden Dinge zusammengetragen, die als unstimmig, störend erlebt werden in Kirche und Pfarre. Jede/r konnte die ihm/ ihr am meisten bewegenden zwei Themen aus dem Bereich Kirche und Pfarre aufschreiben und die Zettelchen in einen Beschwerde-Briefkasten (bzw. später einen Wunsch-Briefkasten) einwerfen. Darauf wurden dann einige der Zettel gezogen und man kam über das jeweilige Thema miteinander ins Gespräch. Einige Statements aus dem Beschwerde-Briefkasten:
Im zweiten Teil ging es nach der gleichen Methode um die Wünsche und Visionen zu Pfarre und Kirche. Dazu einige Statements aus dem Wunsch-Briefkasten:
(Protokoll: P.Panek)
Am Beginn dieses Gespräches von 8 Teilnehmern stand die Standortbestimmung des Pfarrers Johannes, dessen Predigt anläßlich des Kirchen-Volksbegehrens (KVB) zumindest von zwei Teilnehmern als eindeutige Aufforderung zur Unterschrift verstanden wurde. Dies wurde von ihm verneint, mit der Erklärung, daß das KVB auch nicht in der Kirche aufgelegt wurde. Seine Predigt sollte nur so verstanden werden, als er das KVB als willkommenen Anlaß zum Gespräch sah - und das ist wichtig!
Ein Gesprächsteilnehmer führte Kritik am Fragebogen selbst, den er als "zu seicht" bezeichnete: Wir versuchten zu erklären, daß der Bogen der unwissenschaftliche Versuch einer Meinungssammlung ist, gleichzusetzen mit einer Einladung an viele, nicht nur für speziell Interessierte bzw. einschlägig Vorgebildete. Nur so war - unserer Meinung nach - ein höherer Rücklauf zu erwarten.
Nach dieser Grunddiskussion kam das Gespräch auf den Themenkreis des Forderns und gipfelte in der Feststellung, daß nur derjenige fordern darf, der sich auch selbst fordern läßt! Daß eine Gemeinschaft eben nur gleichrechtlich bestehen kann.
Weiters wurde einhellig die Meinung vertreten, daß die Kirche = Amtskirche zu vielen Fragen nicht Stellung nehmen sollte. Im speziellen sollte sie sich wesentlich vorsichtiger bei Fragen der Sexuallehre und Empfängnisverhütung verhalten, da diese sehr stark mit dem Schutz des menschlichen Lebens (z.B. Dritte Welt) verknüpft sind.
Die Kirche klebt zu stark in Denksystemen, was in sich richtig ist, aber eben manchmal an der Realität "vorbeilebt". Die Kirche soll sich nicht anpassen, sondern den Realitäten stellen und damit umgehen ohne ihre Grundprinzipien zu verändern.
Zum Schluß wurde noch über das Diakonat der Frauen diskutiert, wobei das Paradoxon der offiziellen Meinung klar zum Ausdruck kam: z.B.: Frauen dürfen beerdigen, aber nicht die Beichte abnehmen - obwohl gerade sie oft die einzig verfügbaren Pastoralassistenten in Krankenhäusern sind. Der Schlußsatz zu diesem Thema war: "Die Kirche verliert die Frauen ohne Diakonatsfreigabe".
Teilnehmer waren KVB-Befürworter und Gegner - das Gespräch war immer konstruktiv und hat erstaunlicherweise gezeigt, daß die Gräben gar nicht so tief sind - weil alle an der Sache - unserer Kirche - interessiert sind.
(Protokoll: Olivier Loudon)