Nachfolgend finden Sie einige persönlich formulierte Meinungen und Glaubenszeugnisse, die uns aus dem Kreise der Gemeinde erreichten. Sie spiegeln die Meinung der Autoren wider und sind, bis auf einen Beitrag, namentlich gezeichnet. Wir haben uns gefreut, daß auch einige schriftliche Stellungnahmen als Beilage zu den ausgefüllten Fragebögen einlangten. Der namentlich nicht gezeichnete Beitrag ist ein Auszug aus einem dieser Briefe.
Was mich stört und sorgt an unserer Kirche | Mein Anliegen! | Es tut der Seele gut | Lasset die Kinder zu mir kommen? | Besonders wenn man jung ist ... | Wir sind Kirche ! | Gott = Mann ?
Was mich so stört und besorgt macht an unserer katholischen Kirche heute in Österreich: So viele, die es ja gut meinen und die auch katholisch sein wollen, kennen im Grund gar nicht die Lehre der Kirche! Sie wissen auch kaum, was wirklich in der hl. Schrift steht - im Alten Testament und vor allem im Neuen Testament!
Dabei ist es verhältnismäßig einfach, sich der Wahrheit zu öffnen, die hier für uns aufgeschrieben ist, in den Evangelien, in der Apostelgeschichte und in den Briefen! Das Wesentliche, das uns hier überliefert ist, gilt für uns genauso wie vor fast 2.000 Jahren! Jesus ist der Weg, er ist die Wahrheit und das Leben in Fülle!
Seit meiner Kindheit hab ich mich bemüht zu tun, was Jesus von mir will - es ist mir nicht immer ganz gelungen.... Aber ich will nicht aufhören, mich zu bemühen - dem Demütigen gibt Gott seine Gnade! Jesus läßt uns nie im Stich, ganz gleich, wie alt wir sind! (Ich bin 74...) Wenn wir Jesus lieben, seine Gebote halten und sein Kreuz auf uns nehmen - jeder hat das seine zu tragen! - dann wird schon alles gut werden für uns - auch in unserer Zeit! Auch wenn es oft nicht so aussieht...
Eva Maria Winter,
74 Jahre, Völkerkundlerin.
Ich bin sehr froh, daß die Dialoggruppe mich mit ihrer Fragebogenaktion zum Nachdenken angeregt hat. Die für mich wichtigsten Fragen sind die Fragen 19 und 20. Alle anderen wirken auf mich fast abgedroschen, weil sie schon so oft in den diversen Medien abgehandelt worden sind, sie haben mit (Forderungen an die ) der Kirche nur im Allgemeinen zu tun und auch ich habe meine fix-fertigen Antworten dazu parat. Sie werden auch als billige Konversationsfragen verwendet, die meist rasch zu einer einhelligen Meinung der Gesprächspartner führen und diese weiter zu nichts verpflichten. ("Verbindende Unverbindlichkeit")
"Verhilft mir mein persönlicher Glaube zu einem freuderfüllten und sinnvollen Leben?" Diese Frage (19) geht mich wirklich an, im Doppelsinn der Bedeutung dieser Phrase. Betroffen schweige ich, denke nach. Ich will ein rasches "Ja, selbstverständlich!" sagen, und komme dann ins Nachdenken. Wie lautet mein Glaube denn? Lebe ich so, daß ich es als sinnvoll verstehen kann ? Wie oft gelingt es mir nicht! Freudvoll? Die Sehnsucht danach habe ich, doch wie konsequent gehe ich den Weg, der in diese Richtung führt? Ich bin gefragt, ich frage mich, ich muß mich mir stellen. Das ist mir wahrlich nicht immer angenehm...
"Die Kirche leistet einen wesentlichen Beitrag zu meinem persönlichen Glück" (Frage 20): Sehe und anerkenne ich diese Beiträge, wo die Kirche mich ganz persönlich gestärkt, bereichert, beglückt hat? Ja, sie hat es getan und sie tut es weiterhin. So sehe ich die Funktion eines Priesters (einer Priesterin) als sehr zentral. Ich will ihn/sie nicht als selbstverständlich nehmen, sondern dankbar dafür sein, daß Menschen sich für diesen intensiven Weg mit Gott (ob mit oder ohne Zölibat) entscheiden und mir so Vorbild sind und Mut geben. Ich denke, es ist wichtig, auch für das persönlich Erhaltene in der Kirche zu danken, bei aller sachlich berechtigten Kritik an ihr.
In diesem Sinn betrachtet, bekommt die Frage 7 "Bin ich ein gläubiger Mensch?" eine große Tiefe und Herausforderung - nicht primär für die anderen, nicht für die Kirche, sondern für mich ganz persönlich. Diesem selbstbewußten Weg möchte ich gerne mit einigen Gleichgesinnten nachgehen.
Gerhard Palzer,
Psychologe, geb. 1955
Es tut der Seele gut, von Zeit zu Zeit über meinen Glauben nachzudenken - über all das, was mir wichtig ist. In meiner Jugendzeit waren so viele Erwachsene daran interessiert, mir Gott näher zu bringen, sei es durch persönliche Gespräche, Bibelrunden, karitative Aktionen, Gebetsgruppen und durch Seminare. Es wurde betont, daß eine gute persönliche Beziehung zu Jesus erstrebenswert sei. Jetzt mit 40 Jahren, habe ich den Eindruck, daß sich nur wenige Leute für mich und meinen Glauben interessieren.
Ich bin dankbar, daß es diesen Fragebogen gibt und fühle mich besonders von den Fragen 7, 10, 18 und 19 - 22 angesprochen.
Frage 7: ist einfach ein Impuls, weiter mein Leben und meine Gedanken zu vertiefen. Wie oft habe ich diese Möglichkeit oder wie oft zeige ich, daß ich doch gläubig bin? Was bedeutet überhaupt "gläubig sein"?
Frage 10: überlegt, ob wir etwas von der Kirche fordern können. So wie ich die Bibel verstehe, sind wir die Kirche (1 Kor.3:16) In diesem Sinn sind wir auch mitverantwortlich dafür, wie gut oder wie schlecht sie funktioniert.
Zu Frage 18: Jesus hat immer wieder gesagt, daß unsere Sünden = Fehler vergeben sind, wenn wir Ihn darum bitten. So ist es für mich total unverständlich, daß Geschiedene oder überhaupt jemand von der Kommunion ausgeschlossen werden. Gerade weil wir Fehler haben, brauchen wir die Kommunion um so mehr! (Siehe Matthäus 11:28)
Frage 19 - 22: Ich will, daß die Gemeinde eine wirkliche "Gemeinde = Gemeinschaft" für mich ist (oder wird). Ich will Gott näher kommen und wenn ich Gott näher komme, dann werde ich automatisch anderen näher kommen. Familie, Bekannten ebenso wie Außenseitern der Gesellschaft, einfach allen Menschen! Wie die Speichen eines Fahrrades mit Gott in der Mitte als Achse.
Ich brauche die Stille für mein Alleinsein mit Gott, aber ich brauche auch die Gemeinschaft, die mich unterstützt und aufmuntert, die Gemeinschaft, die richtig feiern kann, die Gemeinschaft mit allen, auch mit denen, die mir fremd sind und die mir helfen können, mit anderen Augen zu sehen und neue Wege zu finden. Seine/Ihre = Gottes Welt ist so groß, und ich muß aber dafür offen sein, um diese Fülle (Joh.10:10) zu erleben.
Wir haben Zeit genug für viele Aktivitäten, haben wir Zeit genug für Gott? Wo wäre die Kirche heute, wenn die ersten Christen keine Zeit gehabt hätten.
Barbara Palzer,
Mutter, geb. 1954,
seit 1993 im
Pfarrgemeinderat.
Immer wieder kommt es vor, daß man als Vater oder Mutter von Kleinkindern oder als Kind böse Blicke, Beschimpfungen oder üble Nachrede erfahren muß, wenn das Verhalten von Kindern im Gottesdienst als störend empfunden wird. Ich denke dazu folgendes:
Im Zentrum der Messe steht die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen. Die Sonntagsmesse ist die Gemeinschaftsfeier der Gemeinde und keine Meditationsübung. Die Familie ist die innerste Form der Gemeinschaft. Der Wunsch, die Messe als Familie gemeinsam zu feiern, ist daher berechtigt. Dies wird in unserer Pfarre durch die Feier der Familienmesse deutlich gemacht.
Auch wenn Kleinkinder und Säuglinge dem Gottesdienst nicht bewußt folgen können, so sind sie doch für Stimmungen, gemeinsames Singen und Beten empfänglich. Das Vertrautwerden mit der Besonderheit dieser einen Stunde der Woche kann daher schon in den ersten Lebenswochen beginnen. Positive Erfahrungen können jedoch nur gesammelt werden, wenn man sich so angenommen fühlt, wie man ist. Streß, Drohungen und Druck stehen einem Vertrautwerden jedenfalls entgegen.
Natürlich liegt es in der Verantwortung der Eltern beruhigend auf ihre Kinder einzuwirken, bzw. je nach Alter und Möglichkeiten diese Verantwortung auf ihre Kinder zu übertragen. Dies ist in einem positiven Klima leichter möglich, als wenn man bei jeder Lebensäußerung seines Kindes fürchten muß, Mißfallen zu erregen. Was als störend empfunden wird hängt weniger von der "Störung" selbst als von der Einstellung dazu ab.
Ich jedenfalls erwarte mir in der Pfarrgemeinde ein Klima, in dem ich beruhigt mit meinen Kindern feiern kann, auch wenn ihr Verhalten nicht immer "erwachsenengemäß" ist. Auch eine stillende Mutters sollte nicht als störend empfunden werden. Verkrampfte Frömmigkeit und falsch verstande Ehrfurcht werden mich nicht hindern mit meinen Kindern Messe zu feiern.
Matthias Zeßner, 34 Jahre,
Vater zweier
Kleinkinder
Ich arbeite seit etwa drei Jahren ehrenamtlich in der Pfarre Maria Hietzing in den Bereichen Jungschar und Jugend mit. Wenn man mich heute fragt, warum ich mich, als ich die Idee hatte, mit mehr oder weniger Gleichaltrigen zusammenzusein und zusammenzuarbeiten, für eine Pfarre und nicht zum Beispiel für eine politische Organisation, wie die Roten Falken oder die Junge ÖVP entschieden habe, kann ich dafür mehrere Gründe anführen.
Meine Eltern haben mich nach christlichen Grundsätzen erzogen, die Pfarre Hietzing und ein großer Teil ihrer Mitglieder waren mir bekannt und irgendwie hatte ich die Hoffnung mich auf diesem Weg nicht nur auf eine neue Weise mit meinem Glauben auseinanderzusetzen, sondern durch die Arbeit in einer Jungschar- und Jugendgruppe christliche Glaubensgrundsätze jüngeren Menschen näherzubringen.
Ob mir das immer gelingt, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Was mir allerdings im Umgang mit den Jugendlichen auffällt, ist die Tatsache, daß der Glaube an Gott mit dem Glauben an die katholische Kirche kaum noch eine Einheit bildet. So schade ich das auch finde, so gut verstehen und oft unterstützen kann ich diese Einstellung.
In manchen Belangen vertritt die katholische Kirche Ansichten, die im auslaufenden zwanzigsten Jahrhundert einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Dazu zwei mir besonders wichtige Beispiele: Die künstliche Empfängnisverhütung wird untersagt. Und es will mir und vielen anderen einfach nicht in den Sinn, daß es der Wille Gottes sein soll, Kinder in die Welt zu setzen, ohne daß sie eine Chance auf ein geordnetes Leben hätten.
Außerdem müßte man doch bedenken, daß gerade ein Kondom nicht nur davor bewahrt, ungewollt schwanger zu werden, sondern genauso Schutz vor Krankheiten wie Aids bieten kann. Schutz nicht nur im Sinne von Schutz für einen selbst, sondern im Sinne einer Chance, die Verbreitung dieser Infektion einzudämmen.
Das zweite Beispiel: Die katholische Kirche spricht immer wieder von einem gütigen, verzeihenden Gott, und trotzdem verwehren sie im Namen Gottes wiederverheirateten Geschiedenen die heilige Kommunion.
Besonders wenn man jung ist, sucht man doch oft verzweifelt nach Halt im Leben und ich bin davon überzeugt, daß gerade der christliche Glaube den Menschen Hilfestellung bieten kann, sich in ihrem Leben zu orientieren. Ich würde mir daher wirklich wünschen, daß die katholische Kirche es jungen Menschen nicht so schwer machen würde, an sie zu glauben und sie als Lebenshilfe und Wegweiser ernst zu nehmen.
Andrea Lanz, 20 Jahre,
Studentin der Publizistik und
Jungschar-Gruppenleiterin.
Ich habe das Kirchenvolksbegehren unter anderem deshalb nicht unterschrieben, weil es so lieblos in seinen Forderungen war.
Die Kirche besteht nicht nur aus vielleicht nicht so geliebten Amtsträgern - die Kirche sind wir alle; wir alle, denen sie wichtig ist, weil wir durch sie in der Nachfolge Christi leben können.
Wir müssen sie im kleinen Bereich. in der Gemeinde, beleben und verbessern - wir müssen uns als Christen bessern. Die Kirche krankzujammern und totzubeten, sie der allgemeinen Haltlosigkeit der heutigen Zeit auszusetzen, halte ich als Katholik, dem viel an dieser Kirche liegt, für falsch.
Die Einstellung "Erlaubt ist, was gefällt" darf sich nicht auf alle Lebensbereiche erstrecken - die Familie, die Ehe, werdendes Leben sind schützenswert und dürfen nicht der heutigen falsch verstandenen Toleranz und Liberalität zum Opfer fallen, die oftmals nichts anderes als erschreckende Gleichgültigkeit allem und allen gegenüber sind.
Auch mich schmerzen verschiedene Standpunkte der Kirche, wie der Umgang mit dem Diakonat für Frauen, Geschieden-Wiederverheirateten, mit Annullierungen oder vor allem mit der künstlichen Empfängnisverhütung; er stürzt auch die in Sünde und Gewissenskonflikte, die verantwortungsvoll damit umgehen wollen und sie nicht nur für ein sexuell freizügiges Leben mißbrauchen.
Da wird es Änderungen geben müssen, doch ist die Kirche im Ganzen wichtiger und zu wertvoll, als daß all dies Gründe sein könnten, sie schlecht zu machen oder zu verlassen.
Jeder einzelne kann nur durch sein eigenes Leben, durch aktives Mitgestalten etwas zum Positiven verändern und dadurch andere in diese Richtung mitreißen und begeistern - dafür ist eine bloße Unterschrift zu wenig, zu einfach.
Ein Leben für Gott, in der Kirche, ist nicht unbedingt einfach und dennoch ungeheuer sinn- und freuderfüllt. Petrus hatte es auch nicht gerade leicht und trotzdem im Auftrag Christi diese Kirche gebaut.
Vielleicht müßte jeder einzelne in der Nachfolge Christi mehr wie ein Fels sein, auf dem man Kirche bauen kann, und Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorleben, daß wir Kirche sind.
Andrea Loudon,
38 Jahre, verheiratet, 3
Kinder.
[...] Meinem Verständnis nach hat Jesus die Kirche als Bindeglied zwischen Gott und den Menschen eingesetzt. Nicht außer Acht lassen dürfen wir dabei aber, daß es sich bei der Kirche um MENSCHEN handelt, und diese erfahrungsgemäß weder unfehlbar sind, noch sich anmaßen dürfen, sich für die Reinkarnation von Gott zu halten. Ich bin daher sehr wohl der Meinung, daß wir von dieser Kirche etwas fordern dürfen. Und zwar vor allem, daß sie sich dem suchenden Menschen als ehrliche und gütige Vermittlerin erweist und sich nicht als eigenständiger und menschen- bzw. lebensfremder Machtapparat verselbständigt. Wobei auch zu unterstreichen ist, daß die Autorität GOTT ist und bleibt und in dieser Funktion durch keinen, auch noch so hohen kirchlichen "Würdenträger" ersetzt werden kann, weil ein solcher trotz allem immer doch nur ein Mensch bleibt.
Ein bißchen Selbstkritik und ein bißchen mehr echte Demut würden nicht schaden. Ich sehe in dieser Fragestellung *) nur eine Überheblichkeit der Kirche, die meint, sie sei der lieber Gott höchst persönlich und somit unantastbar.
[...]
Wenn Gott die Menschen als sein Abbild geschaffen hat, wie uns das immer wieder gepredigt wird, dann muß er zumindestens 50% aus weiblichen Elementen bestehen. Oder mann gibt den in unserer Gesellschaft praktizierten Umkehrschluß zu, und sagt, der Mensch = Mann, die Frau ist die Abweichung. Da aber Gott gerade uns Frauen die allerwichtigste Aufgabe der Menschheit übertragen hat, nämlich Kinder gebären zu können, und uns weiterhin auch mit Fähigkeiten ausgestattet hat, diese zu ernähren und aufzuziehen, kann ich persönlich mich nur der erstgenannten Möglichkeit anschließen.
Die Angst, daß Frauen aus ihrer Küche - Kirche - Kinder - Welt ausbrechen und irgendwo ein gewichtiges Wort mitreden könnten, erzeugt in den Reihen der Kirche noch größere Neurosen als im alltäglichen Bereich. Irgendwo las ich etwa die vor Abscheu japsende Vorstellung eines männlichen Kirchenvertreters, daß eine schwangere Frau von der Kanzel predigen könnte, der Tenor war: "Pfui Teufel". [...] Ich kann nur sagen, für mich wäre diese Vorstellung schön, weil der Anblick von Schwangeren für mich grundsätzlich etwas Positives, Zukunftsorientiertes, Lebensbejahendes hat.
[...]
aus einer 7-seitigen Stellungnahme, die uns von einer 31-40 jährigen, verheirateten Frau aus Hietzing erreichte.
*) Anmerkung: Frage Nr.10 (Anm. der Red.)